Captain America: Civil War


Cap gegen den Iron Man gegen den Winter Soldier gegen Black Panther und damit hat man noch nicht einmal alle Helden (und Antagonisten) aufgezählt, die in „Captain America: Civil War“ mitspielen. Aber ist der Streifen deswegen gleich die beste Comicverfilmung aller Zeiten? (Keine Sorge, Spoiler werden vorher angekündigt.)

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich tatsächlich mal auf einen „Captain America“-Film freue. Für mich ist der blaue Patriot nämlich der langweiligste Held im Marvel Cinematic Universe. Der dritte Teil der Reihe, „Civil War“, versprach allerdings interessant zu werden. Involviert in die Handlung sind fast alle Helden, die Marvel und Disney seit Erscheinen des ersten „Iron Man“-Films auf die Leinwand gebracht haben.

Aber lasst uns erst einmal über die Comic-Vorlage sprechen. „Civil War“ war ein Event im Marvel-Universum, nach dem kein Stein mehr auf dem anderen stand. Auslöser des Bürgerkriegs ist eine Reality-TV-Show in der ein junges (unbekanntes) Heldenteam vor laufenden Kameras versucht, eine Bande böser Buben dingfest zu machen. Das geht furchtbar schief. Nicht nur die jungen Strumpfhosenträger müssen dran glauben, sondern auch ein gutes Stück der bewohnten Umgebung – darunter eine Schule.

Dürfen die das?

Durch diesen Zwischenfall beginnt die Gesellschaft, die Kostümträger in Frage zu stellen. Wer kommt eigentlich für die Kosten auf und, noch wichtiger, trägt die Verantwortung nach wenn mal wieder ein Straßenblock in Schutt und Asche liegt, weil Gut im Clinch mit Böse lag? Und überhaupt: Dürfen die das? Die Antwortet lautet: nein. Also überlegt die Regierung, Superhelden ganz einfach zu verbieten. Wer dem zuwiderhandelt wird eingebuchtet. Mindestens.

Tony Stark und Reed Richards versuchen einen Kompromiss zu finden und schlagen vor, Superhelden künftig in den Staatsdienst zu stellen. Als Angestellte werden sie vom Staat entlohnt, müssen sich dafür aber registrieren und somit ihre Identität preisgeben. Klar, dass das nicht allen (und ganz besonders nicht Captain America) passt. So prallen zwei Meinungen buchstäblich aufeinander.

Ab hier geht’s um den Film

Wenn Ihr die Comicvorlage noch nicht gelesen habt, könnt Ihr das einfach nachholen. Den Hauptplot gibt’s bei Amazon für rund 15 Euro. Diverse Nebenstränge aus den Serien der einzelnen Helden kosten meistens zehn Euro. Wenn Ihr den Comic nur für den Film lesen wollt: Das könnt Ihr bleiben lassen, denn so richtig viel haben Film und Vorlage nicht miteinander gemein. Klar, der ursprüngliche Konflikt bleibt. Zunächst. Nach dem Auftakt, in dem mal wieder furchtbar viel furchtbar kaputtgeht, führt die Regierung den Avengers ihr Treiben, auch das aus den letzten Filmen, vor Augen. Ein zerstörtes New York, ein zerstörtes Washington DC, ein zerstörtes Sokoviia und jetzt noch ein zerstörtes . Auch die Regel bleibt: Registrieren oder Knast!

„Congratulations, Cap. You are now a criminal.“

Während Tony Stark selbst den Vorschlag macht und War Machine und Black Widow unterschrieben, lehnen Captain America und Falcon dankend ab. Als der Winter Soldier wieder auftaucht und bei einem Attentat den Präsidenten von Wakanda tötet, ziehen beide auf eigene Faust los, auch um Bucky (der Winter Soldier) vor der Verhaftung zu bewahren. Das wiederum ruft Iron Man und War Machine auf den Plan. Sie nehmen den Winter Soldier, Captain America und Falcon in Gewahrsam. Der erstmals in den Filmen aufgetauchte Black Panther wird bei der Gelegenheit gleich mit einkassiert.

Im Laufe des Filmes verläuft der ursprüngliche Konflikt aber im Sande. Für Captain America geht es mehr darum, den Winter Soldier erst zu befreien, vor der erneuten Festnahme zu schützen und den wahren Attentäter einzufangen. Iron Man und Gefolge legen mehr Wert darauf, den Winter Soldier erneut unschädlich zu machen. Die Frage, wer denn jetzt eigentlich im Recht ist – die Helden, die ihre Identität schützen wollen oder diejenigen, die bereit sich registrieren zu lassen – rückt vollkommen aus dem Fokus.

Cap ist nicht die Hauptperson in Civil War

Klar, der Kampf, der auf dem Rollfeld in Berlin entbrennt, um Captain America und Bucky aufzuhalten, macht Spaß. Noch nie standen sich so viele Helden – Black Panther, Winter Soldier, Captain America, Falcon, Hawkeye, Ant-Man, Scarlett Witch auf der einen, Iron Man, War Machine, Vision, Black Widow und Spider-Man auf der anderen Seite – auf der Leinwand gegenüber.

Mit dem riesigen Kampf im Comic hat das aber nichts zu tun. Allerdings war das für die Leinwand auch nicht umzusetzen. Nicht, weil es an Special Effects mangelt, die sind natürlich gewaltig, sondern weil Marvel und Disney die Lizenzen an den eigenen Helden fehlen. Die X-Men und die Fantastischen Vier laufen zum Beispiel bei 20th Century Fox. Dazu kommt: Die Serienhelden Daredevil und Luke Cage sind für die große Leinwand wahrscheinlich nicht familientauglich genug. Einer Kooperation zwischen Sony und Marvel ist es zu verdanken, dass wenigstens Spider-Man mitmischen darf. Auch wenn der im Comic deutlich älter ist als der 15-jährige Peter Parker im Film. Aber auch für das Franchise steht (mal wieder) ein Reboot an. Tom Holland schwingt zukünftig für Andrew Garfield durch New York. Was soll man machen?

„Or I’ll tell aunt May.“

Wichtig für Cap-Fans ist noch: Captain America scheint im eigenen Film gar keine Hauptrolle zu haben. Gefühlt hat Tony Stark auch ohne Iron-Man-Rüstung viel mehr Screentime als der Titelheld. Sehr schön ist zum Beispiel die Szene, in der Tony Peter Parker dazu überredet, in seinem Team zu spielen. Ich persönlich habe nichts dagegen, finde aber, dass der Film unter dem Avengers-Label besser aufgehoben wäre. Für das komplette Line-up hätten allerdings noch Thor und der Hulk gefehlt. Wenn Cap auf der Leinwand ist, dann eigentlich immer zusammen mit Bucky (also dem Winter Soldier). Das hat teilweise schon etwas von Buddy-Movie.

Übrigens war ich im Vorfeld, na klar, für das Team Iron Man. Auch weil der Trailer den Eindruck machte, dass Captain America und der Winter Soldier Tony zu unrecht vermöbeln. In Wirklichkeit ist es aber anders herum und ich kam nicht drumherum, meine Meinung noch einmal zu überdenken. Go, Team Cap.

Wrap-up

Die Effekte sind super, die Helden sind cool. Leider wurde die zentrale Story für mich etwas zu sehr aus den Augen gelassen. Wahrscheinlich ist es aber im Filmuniversum gar nicht möglich, dass sich Avengers innerhalb von zwei Stunden komplett zerstreiten und wieder zueinanderfinden und die Tragweite der Comichandlung wiedergeben. Insofern: Es ist ein bisschen schade, dass der Film „Civil War“ so wenig mit dem Comic „Civil War zu tun hat, aber trotzdem ok. Das Eintrittsgeld ist „Civil War“ auf jeden Fall wert. Ich würde aber nicht so weit gehen, den Streifen als beste Comic-Verfilmung aller Zeiten zu bezeichnen.

Kurzfassung:

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