In den Straßen von San Francisco


Vor ein paar Wochen war ich in San Francisco. Zum ersten Mal. Ein Abenteuer. Untergebracht war ich im Aida Plaza Hotel im Stadtteil Tenderloin. Und der hat es in sich. Eine kurze Geschichte. Obwohl Tenderloin mittlerweile sogar große Firmen wie Twitter anzieht, gehen Armut und gehobener Mittelstand hier Hand in Hand. Im Westfield San Francisco Center, einer Shopping Mall, essen zum Beispiel die Arbeiter aus den umliegenden Büros für teuer Geld zu Mittag, während draußen Obdachlose auf dem Gehweg schlafen und kleine Gauner versuchen, die Passanten mit Hütchenspielen abzuzocken.

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Oft genug passiert es, dass Menschen laut fluchend die Straße entlang gehen. Jemanden bestimmtes haben sie dabei nicht im Visier. Stattdessen reden sie einfach vor sich hin. Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei sind gefühlt minütlich im Einsatz. Immer mit Blaulicht und Sirene. Trotzdem: Sorge oder gar Angst um mein Leben musste ich hier nicht haben. Wird man von anderen Passanten angesprochen, dann stets höflich.

Ständig unterwegs: Ein Einsatzfahrzeug des SFPD.

Die Einsatzfahrzeuge des SFPD sind in Tenderloin ständig im Einsatz.

Auch dann, wenn sie ihre Waren an den Mann bringen wollen. Mir hat dann auch ein selbsternannter Gangster-Rapper sein „Album“ in die Hand gedrückt. Dass das keine Promo-Aktion sondern einen gültigen Kaufvertrag darstellen sollte, hat er erst danach verraten. Kostenpunkt: 10 US-Dollar. „Hab ich nicht“, sagte ich. Bin ja gerade erst aus Deutschland angereist und musste mein mitgebrachtes Geld für Essen und Trinken ausgeben (was nicht gelogen ist). „Wie viel hast du denn?“ kam die Nachfrage. „Weiß ich nicht“, sagte ich. „Vielleicht 3 oder 4 Dollar.“ Wir einigen uns darauf, dass das reicht. Sollte ich irgendwann mal wieder in der Gegend sein, könnte ich den Rest ja bezahlen, wenn ich es denn hätte. Jetzt bin ich also stolzer Besitzer einer selbstgebrannten und bedruckten CD. Ohne CD-Spieler. Auch der nächste wollte Geld für seine Musik. Diesmal gleich 20 US-Dollar. Immerhin für drei Alben. „Habe ich nicht“, sagte ich wieder. „Komme gerade aus Deutschland.“ „Dann gib mir halt deutsches Geld. Das ist mir egal“, sagte er. Mittlerweile reicht es mir aber. Ich erwidere freundlich, dass er sicher gute Musik mache, ich aber wirklich (und das stimmt auch, wie nach einem Kassensturz beim Mittagessen feststelle) keine 20 Dollar bei mir habe. Das Kompliment gefällt ihm und er ist milde gestimmt. Wir verabschieden uns schließlich mit einem High-Five-Shake-Hands. „Vielleicht rauchen wir mal einen Joint zusammen“, sagt er, bevor wir unserer Wege gehen. Mit Drogen habe ich allerdings nichts am Hut. Zum Verneinen komme ich aber gar nicht mehr, denn er ist schon beim nächsten potenziellen Kunden. „Hey man, willst du mal in mein Album hören?“

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