Django: Lässig entkettet


Mittwochs ist Preview-Tag im Kino. Dieses Mal habe ich mir spontan Django Unchained angesehen. Wer es verkraften kann, dass Tarantino für mich nicht der wandelnde Film-Gott auf Erden ist, kann hier klicken.

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich unvoreingenommen in den Film gegangen. Weder habe ich mir vorher, vom ersten Teaser im Juli 2012 mal abgesehen, die Trailer angeschaut, noch irgendwelche Kritiken gelesen. Auch bin ich nicht der größte Tarantino-Fan, was nicht heißt, dass ich seine Filme nicht mag. Früher im Studium galt man in elitären Kreisen übrigens als nicht beachtenswert, wenn man neben Der Stadtneurotiker nicht auch Pulp Fiction unter seinen Lieblingsfilmen aufgezählt hatte. Frei Meinung? Ich schweife ab.

„Weiße abknallen, für Geld? Es gibt schlimmere Jobs.“

Story
Der deutsche Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz) hat das Geschäft mit den Beißern längst aufgegeben und verdingt sich seit einigen Jahren als Kopfgeldjäger im wilden Westen. Auf der Suche nach den Brittle Brothers, einer gesuchten Mörderbande, kauft er den Sklaven Django (Jamie Foxx). Dieser hatte zuvor auf einer Plantage unter der Aufsicht der drei Brüder gearbeitet und soll sie nun für Dr. Schultz identifizieren. Sind die Brittle Brothers erst Geschichte und dann bares Geld, ist Django ein freier Mann. Gesagt, getan. Da sich der ehemalige Sklave bei der Suche als äußert hilfreich erwiesen hat, bietet Dr. Schultz Django eine Partnerschaft über den Winter an. Die kommt ihm äußerst gelegen, kann er doch mit dem verdienten Geld seine Frau Broomhilda freikaufen. Außerdem findet Django: „Weiße abknallen, für Geld? Es gibt schlimmere Jobs.“ Nach einem erfolgreichen weißen Jahreszeit erfahren die Partner, dass Broomhilda an den Plantagen-Besitzer Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) verkauft wurde. Eine List muss her, um die Angebetete aus den Händen eines Sadisten zu befreien. So viel sei gesagt: Nicht alles geht gut.

Stil und Effekte
Django ist ein übertrieben lässiger Western-Held. Natürlich kann er mit Schießeisen umgehen, natürlich zieht er schneller als sein Schatten und natürlich ist jeder Schuss ein Treffer. Django ist sogar so cool, dass Tarantino manche Szenen nicht mit genretypischer Musik unterlegt, sondern mit HipHop und Gangster-Rap. Damit wären wir auch beim Thema: Django ist schwarz, Django ist ein Sklave und der Film spielt zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg in dem die Abschaffung der Sklaverei keine unbedeutende Rolle einnahm. Tarantino lässt keine Möglichkeit aus, den Zuschauer daran zu erinnern. Bestimmt über 100 Mal fallen rassistische  Begriffe wie „Nigger“ oder „Bimbo“. Filme wie Gran Torino sind ein Witz dagegen (an dieser Stelle sei daran erinnert: Ich bin kein Vollblut-Cineast).

Wer sich einen Film von Quentin Tarantino ansieht, muss natürlich damit rechnen, dass literweise Filmblut fließt und Brutalität und Gewaltdarstellungen nicht zu kurz kommen. Filmfreunde, die das nicht abkönnen, bleiben bitte zu Hause und benehmen sich nicht, wie die beiden jungen Damen, die in der Vorstellung links neben mir saßen und sich bei jeder Szene dramatisch wegdrehten. Mit einer Laufzeit von 2:45 Stunden ist der Streifen zwar recht lang, enthält aber an sich keine Längen, wird also nie langweilig. Neben gut inszenierten Action-Szenen liegt das auch an den hervorragenden Dialogen.

Figuren
Ob Django Unchained zu recht für den Oskar in der Kategorie Bester Film nominiert wurde, kann ich nicht sagen. Persönlich habe ich schon bessere Filme gesehen. Manch einer mag da anderer Meinung sein. Aus meiner Sicht hat aber Christoph Waltz den Oskar für den besten Nebendarsteller mehr als verdient. Ich selber habe den Film zwar auf Deutsch gesehen, aber ich kann mir vorstellen, dass er im Original noch viel besser als freundlicher Kopfgeldjäger mit deutschem Akzent rüberkommt. Jamie Foxx macht seine Sache sehr gut und ist sicherlich besser in der Rolle aufgehoben als der ursprünglich vorgesehene Will Smith. Auch Leonardo DiCaprio weiß, wie eigentlich immer (oder?) zu überzeugen. Kleines Schmankerl am Rande ist der kurze Auftritt von Jonah Hill. Die Szene erinnert fast ein bisschen an Bully Herbigs Der Schuh des Manitu.

Fazit
Wer in den kommenden Wochen einen Abend zur freien Verfügung hat, darf das Eintrittsgeld ruhig riskieren. Django Unchained ist zu keiner Sekunde langweilig, nervig oder blöd. Nur die Freundin sollte, ohne es böse zu meinen, vielleicht lieber zu Hause bleiben.

Links:
Django Unchained: Offizielle Seite zum Film

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